Checkliste:

In der Regel haben Sie bereits ein ausführliches Gespräch mit dem Sie behandelnden Arzt, der den Behandlungsfehler begangen hat, geführt oder ein solches Gespräch ist Ihnen nicht mehr zuzumuten. Lassen Sie uns dennoch anmerken, dass zunächst ein klärendes Gespräch gesucht werden sollte, sofern dies noch nicht geschehen ist. Sicherlich erfordert dies im Einzelfall erhebliche Überwindung, allerdings kann ein solches Gespräch auch zu einer schnellen Klärung führen. Dies kann mit Blick auf die Chance auf eine möglichst schnelle eigene Verarbeitung der schlecht verlaufenen Behandlung sinnvoll sein. Sind Sie sich indes sicher, dass Sie wegen des Ihnen widerfahrenen Behandlungsfehlers tätig werden wollen, sollten Sie einige Dinge beachten. Die nachfolgende Checkliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich eine Hilfestellung geben:

  1. Fertigen Sie zunächst in eigenen Worten ein Gedächtnisprotokoll(Gute Rechtsschreibung oder richtige Zeichensetzung sind hier unwichtig und sollten Sie nicht davon abhalten, möglichst ausführlich zu berichten!). Ganz gleich welche weiteren Schritte Sie später einzuleiten gedenken, ist dieses Gedächtnisprotokoll in jedem Fall von sehr großem Nutzen. Auch Wahrnehmungen von Verwandten und/oder Freunden sollten in diesem Protokoll aufgeführt werden. Fertigen Sie das Gedächtnisprotokoll möglichst wie folgt an:
    1. Erstellen Sie zunächst einen chronologischen Krankenverlauf mit genauen Datumsangaben zu den einzelnen Geschehnissen. Der Bericht sollte möglichst alle möglicherweise wichtigen Geschehnisse und Erklärungen von Personen und Zeugen enthalten. Er sollte mit dem jetzigen gesundheitlichen Status quo und der derzeitigen Behandlung enden. Sie sollten auch die scheinbar unwichtigen Kleinigkeiten aufführen, da Sie später von Bedeutung sein können.
    2. Führen Sie sodann gesondert die unter a. schon genannten Namen der Krankenhäuser, Ärzte, Krankenschwestern, Mitpatienten, Verwandten, Freunden, sonstigen wichtigen Personen nebst der postalische Anschriften auf; benennen Sie auch die vor- und nachbehandelnden Ärzte.
    3. Worin sehen Sie den konkreten bzw. die konkreten Behandlungsfehler? Häufig gibt es mehrere Behandlungsfehler, z.B. eine falsche Medikation mit einer nachfolgenden fehlerhaften Diagnose oder Operation.
    4. Wie hätte Ihrer Meinung nach die fachgerechte Behandlung aussehen müssen? Vielfach haben sich bereits andere Ärzte zu den Geschehnissen geäußert und Ihnen erklärt, wie die Behandlung korrekt verlaufen wäre. Führen Sie auch diese Äußerungen auf.
    5. Über welche Behandlungsrisiken sind Sie wie aufgeklärt worden? Eine unzureichende Aufklärung führt zu einer Schadensersatzpflicht, so dass Sie hier möglichst genau aufführen sollten, wie und wann Sie aufgeklärt wurden. Gab es ein mündliches Aufklärungsgespräch und wenn ja, wer hat dieses geführt und wann wurde es geführt? Haben Sie einen Aufklärungsbogen unterschrieben?
    6. Wie würden Sie beurteilen, welche Beschwerden durch welchen Behandlungsfehlerverursacht worden sein könnten bzw. Ihrer Meinung nach verursacht worden sind?
    7. Welche genauen Beschwerden hatten Sie und welche haben Sie heute noch? Beantworten Sie auch, ob sich die Beschwerden im Freizeitbereich, im Haushaltsbereich und /oder im Berufsleben auswirken und wenn ja, wie und ob es Dauerschäden gibt.
    8. Listen Sie Ihren Vermögensschaden möglichst exakt auf und belegen Sie diesen mit Rechnungen. Zu diesem Schaden gehören auch Ihr Einkommensschaden und der Eigenanteil an Krankenhausrechnungen. Dazu gehören aber auch die sonstigen Behandlungskosten, sowie die Fahrkosten, die zur erforderlichen Behandlung entstanden sind. Bezgl. der Fahrtkosten sollten Sie die einzelnen Arzttermine angeben und die gefahrenen Kilometer. Pro Kilometer dürfen Sie 0,30 € ansetzen und so die entstandenen Fahrtkosten selbst errechnen.
  2. Wenn Sie bereits Dokumentationsunterlagen, Arztberichte oder Arztbriefe etc. vorliegen haben, reichen Sie diese bitte mit ein. Nützlich ist hier auch ein Inhaltsverzeichnis zu Ihren Unterlagen.
  3. Wenn Sie alleine ohne anwaltliche Hilfe vorgehen wollen: Fordern Sie sämtliche Dokumentationsunterlagen an. Krankenhäuser und Ärzte sind nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verpflichtet, Ihnen Kopien Ihrer Dokumentationsunterlagen zu überreichen. Dafür dürfen die Krankenhäuser und Ärzte 0,50 € abrechnen. Diese Kosten müssen Sie im Übrigen auch dann tragen, wenn Sie rechtsschutzversichert sind und Ihre Rechtsschutzversicherung Ihnen auch eine Deckungszusage erteilt. Dies deshalb, weil die Rechtsschutzversicherungen nach den Allgemeinen Rechtsschutzversicherungsbedingungen nicht verpflichtet sind, diese Kosten zu tragen. Allerdings haben Sie, sofern tatsächlich ein Behandlungsfehler gemacht wurde, Anspruch auf Ersatz der entstandenen Kosten für die Kopien beim Krankenhaus bzw. Arzt. In der Regel müssen Sie diese Kosten also nur vorstrecken. Wir begrenzen im Anforderungsschreiben bezüglich der Herausgabe der Dokumentationsunterlagen die Kosten auf 50,00 €, also 100 Kopien. Sind mehr Kopien zu fertigen, bitten wir das Krankenhaus bzw. den Arzt um eine Benachrichtigung. So lässt sich das Kostenrisiko hier einfach begrenzen. Allerdings entstehen unserer Erfahrung nach selten höhere Kosten als 100,00 €
  4. Folgende Kosten können ebenfalls erstattungsfähig sein:
    1. Kosten eines Fitness-Studios: nur wenn gesundheitsförderlich
    2. sog. vermehrte Bedürfnisse bei Dauerschaden
    3. die je Quartal anfallende Praxisgebühr in Höhe von 10,00 € sowie die Zuzahlung zu Heilmitteln, Hilfsmitteln, Arznei- und Verbandsmitteln sowie stationären Aufenthalten, die ein Kassenpatient aufgrund des GKV-Modernisierungsgesetzes seit dem 1. Januar 2004 bis zu 2 % des Bruttojahreseinkommens (bei chronisch Kranken 1 %) zu zahlen hat
    4. Kur- und Pflegekosten
    5. Berufliche Rehabilitations- und Umschulungskosten
    6. Kosten für ärztliche Bescheinigungen und Berichte
    7. Besuchskosten (Kosten für öffentliche Verkehrsmittel)
    8. Telefonkosten: Grundgebühr im Krankenhaus
    9. Wenn gesundheitsförderlich: TV-Gerät
    10. Trinkgelder und Geschenke
    11. Bei Kindern möglich: Lektüre, Bücher, Musikkassetten, CDs, Computerspiele
    12. anzurechnen sind: Ersparte Pflegekosten - in der Regel werden 10,00 €/Tag während eines stationären Aufenthalts angerechnet
    13. Frustrierte Aufwendungen: Stornogebühren eines ausgefallenen Urlaubs, Konzertkarten etc.
    14. Beitragsrückerstattung der Krankenversicherung

 

 


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